Die Geschichte - WIR SIND TIDDISCHE

Wir sind Tiddische
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Dr. Johann Dietrich Bödeker bei der Signierung meines von Ihm geschriebenen Buches,
im Alter von 100 Jahren 6 Monaten und 25 Tagen.
Für mich war es ein sehr aufregender und spannender Besuch beim ihm!

Die Geschichte Tiddische
(aus dem Buch „Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder“)
Mit persönlicher Erlaubnis zur Veröffentlichung von Dr. Johann Dietrich Bödeker
bei meinem Besuch am 19.09.2018
Dieses Buch wurde von ihm im Herbst 1985 nach 4 1/2 Jahren Arbeit fertiggestellt


6. bis 8. Jahrhundert (?) —Wendische Reste in der Gemarkung Tiddische
Der Ortsname Tiddische ist deutsch. Er wird im folgenden Kapitel erklärt.

Viele Flurnamen aber zeigen altes wendisches Gepräge:
1. Die Föhrdwiesen (deutsch);
2. Die Nachtweide (dt.): bezeichnend für wendische Dörfer;
3. Der Hägebusch (dt.);
4. Die neuen Stücke (dt.);
5. Die Glieseneitsche (wendisch): zu altslowen. glina Lehm, Ton, ON. poln. Glinica, Glieneitz bei Medingen, FN. Glienkensfeld in Schutschur (bei Hitzacker) und anderswo, hier ebenso „das Lehmfeld";
6. Der Knickbusch (dt.): Niederwald, der öfters geknickt (abgeholzt) wird;
7. In den Kämpen (dt.);
8. Auf dem weißen Moor (wd.): Siehe Benitz Nr. 2! „Auf dem hohen Moor";
9. Die Loweckenstücke (wd.): zu altsl. lava Bank, altpoln. lawa Wasser, Bank, Steg, Sumpfsteg, ON. poln. Lawki, FN. die bösen Lavecken in Rennau (bei Fallersleben), hier ebenso „Stücke am Sumpfsteg";
10. Der Rekenberg (wd.): zu altsl. reka Fluß, ON. neuslowen. Reaca, FN. Reikenkämpe in Schönewörde (bei Knesebeck), hier ebenso „Berg am Fluß", der Kleinen Aller (Du oder Forneitz);
11. Die Kruseneitsche (wd.): Siehe Parsau Nr. 25! Aber die dortige Kroseneitsche ist mit Tiddische Nr. 32 gleichzusetzen.
12. Vor der großen Daulike (wd.): zu altsl. dolü Tal, ON. poln. Dotki, FN. das Dohlkenfeld in Abbendorf (bei Bodenteich), Dohlken in Dellien (bei Neuhaus) und anderswo, hier ebenso „Vor den großen Stücken beim Tälchen" ;
13. Die großen DaulikeStücke (wd.): Wie Nr. 12;
14. Die Dauleke (wd.): „Das kleine Tal" selbst;
15. Die Briesackstücke (wd.): zu altsl. briza Birke, ON. neuslowen. Brezik, FN. der Briesack in Sammatz (bei Hitzacker), hier ebenso „Stücke am Birkenbusch";
16. Die Gore (wd.): zu altsl. gora Berg, ON. häufig, FN. Goor in Niendorf (bei Hitzacker), hier ebenso „der Berg", der an dieser Stelle besteht;
17. Die Triemeneitzwiesen (wd.): Siehe Parsau Nr. 19!
18. Die Kälberweide (dt.);
19. Die Priasstücke (wd.): Siehe Bergfeld Nr. 1!
20. Die Strausche (wd.): Siehe Altendorf Nr. 10, Brechtorf Nr. 19!
21. Der Leibs (wd.): zu altsl. lipa Linde, ON. tsch. Lipec, FN. Leibs in Criwitz (bei Lüchow), Leipeitz in Lomitz (bei Gartow) und anderswo, hier „Lindenplatz";
22. Im Dorfe (dt.);
23. Am Leibs (wd.): Wie Nr. 20, »Feld am Lindenplatz";
24. Am Kriegerberge (ob dt. ?);
25. Die Malotsche (wd.): vielleicht zu altsl. rnalü klein, FN. Malluck in Lüdersburg (bei Bleckede), dann „das kleine (Wiesen-)Stück";
26. Die Köterneitz (wd.): vielleicht zu altsl. kotü Kater, Katze, ON. tschech. Kotovice, FN. Katai in Lauze (bei Gartow), Kötken-Stücke in Kühlitz (bei Bergen), dann „die Katerstücke";
27. Der Lockenberg (wd.): zu altsl. luka Wiese, ON. poln. Paluki, FN. Laucken in Wulfstorf (bei Lüneburg), Auf der Loche in Hoitlingen, hier ebenso »Berg an den Wiesen";
28. Im vordersten Lestein (wd.): zu altsl. liska Haselnuß, ON. tsch. Lestina, FN. Lestein-Wiesen in Barwedel und anderswo, hier ebenso „In dem Vorderteil des Haselholzes";
29. Die hintersten Lesteinskämpe (wd.): Ebenso „Die Felder hinter dem Haselholz";
30. Der Lehenstein (wd.): Ebenso „das Haselholz" selbst;
31. Die Körbe (wd.): zu altsl. krava, poln. krowa, drawen. korvo Kuh, ON. kroat. Kravice, FN. Carwitzenberg in Rennau (bei Fallersleben), hier ebenso „Kuhberg" (Weideland);
32. Die Bergfelder Krosneitze (wd.): Siehe Nr. 11! In diesem Bereich muß die Wüstung Croseneitz gelegen ha-ben, zumindest einige ihrer Äcker, vielleicht im Walde verstreut;
33. Im Brand (eher wd. als dt.): vielleicht zum FN. Im Brandul in Bruchhorst (bei Bleckede) und anderswo, Bedeutung?
34. Das Gehäge (dt.).



Mindestens 22 der insgesamt 34 behandelten Flurnamen sind also vollständig oder in ihrem entscheidenden Bestimmungswort wendischer Herkunft. Aus Nr. 9 ist bemerkenswert, daß sogar ein altpolnisches Wort iawa in der Verkleinerungsform Lawika im Vorsfelder Werder vorkommt. Dies scheint auf das entsprechende Alter der hiesigen wendischen Landnahme zu deuten. Für den deutschen Ortsnamen Tiddische folgt daraus, daß er später aufgesetzt wurde.
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